Rund 100 000 Spenderinnen und Spender fallen jährlich weg
Auch bundesweit zeichnet sich dieser Rückgang offenbar ab. Der DRK-Blutspendendienst Baden-Württemberg-Hessen erklärt in einer Pressemitteilung, dass in Deutschland aufgrund des demografischen Wandels jährlich rund 100 000 Spenderinnen und Spender ausscheiden und es nicht entsprechend viel Nachwuchs gebe. Die Organisation erklärt, das Potenzial von rund 30 Prozent spendefähiger Menschen wecken zu wollen. Nur so sei die Versorgung aller Patientinnen und Patienten in den kommenden Jahrzehnten gewährleistet. Früher hätten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Behörden, wie etwa auf dem Rathaus, während ihrer Arbeitszeit zum Blutspenden gehen können. Doch das sei heute nicht mehr der Fall, bedauert der Bereitschaftsleiter Josef Herbert. Er setze sich für eine Wiedereinführung einer solchen Regelung ein und habe selbst Bürgermeister Edgar Hemmerich mit diesem Anliegen schon kontaktiert, erzählt der Rentner. Er geht davon aus, dass einige Menschen deshalb nicht spenden, weil sie Angst davor haben. Bei den Blutspendeaktionen in Schorndorf versuchen er und sein Team deshalb, den Menschen, die etwa noch nie gespendet haben, ihre Scheu zu nehmen, sagt Josef Herbert. Falls jemand doch das Bewusstsein bei der Blutspende verliere, seien Ärzte vor Ort, erklärt er. Doch auch erfahrene Blutspender sollten stets darauf achten, im Vorfeld genug zu trinken, rät Herbert.Nicht jeder gesunde Mensch darf spenden, es gibt Ausnahmen
Grundsätzlich dürfen alle gesunde Menschen zwischen 18 und 73 Jahren spenden, die einen deutschen Pass haben, erklärt er. Einzelne Ausnahmen gebe es allerdings. So dürfen beispielsweise zu leichte Menschen nicht spenden. "Frauen, die 1,60 Meter groß sind, dürfen nicht unter 50 Kilogramm wiegen", erklärt der Bereitschaftsleiter. Außerdem seien beispielsweise homosexuelle Männer ausgeschlossen. "Das verstehe ich gar nicht", sagt der 66-Jährige. Heute dürfen homosexuelle Männer nur nach einem Jahr Enthaltsamkeit ihr Blut spenden. Bis vor zwei Jahren waren sie sogar ganz davon ausgeschlossen. Eine Arbeitsgruppe der Bundesärztekammer überarbeitete die Richtlinie, nachdem es eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof gegeben hatte.Jeder Dritte ist mindestens einmal auf gespendetes Blut angewiesen
Homosexuellen-Verbände kritisierten die Regelung immer wieder, da sie medizinisch nicht haltbar sei. Denn es werde nicht berücksichtigt, dass bei geschütztem Sex das Übertragungsrisiko für HIV deutlich niedriger sei als bei ungeschütztem Verkehr. "Ich finde diese Fragen außerdem zu intim", erklärt Josef Herbert. Auf das Thema geht das DRK Baden-Württemberg-Hessen in seiner Pressemitteilung zum Weltblutspendetag nicht ein. Vielmehr erklärt die Organisation dort, dass es zwar durch moderne Operationsmethoden gelungen sei, den allgemeinen Bedarf an Blutskonserven zu senken, das aber nicht bedeute, dass weniger Blutspenden benötigt werden. Denn tatsächlich steige die Zahl der Behandlungen in den Krankenhäusern. Außerdem betont das DRK, dass in Deutschland jeder Dritte mindestens einmal im Leben auf gespendetes Blut seiner Mitmenschen angewiesen sei. Auch nach einer künstlichen Alternative würde die Wissenschaft bisher vergeblich suchen. Deshalb geht Josef Herbert die Arbeit wohl nicht so schnell aus. Er und sein Team versuchen weiterhin, genügend Menschen zum Blutspenden zu bewegen.Abgeänderte Version, originaler Artikel: https://www.zvw.de/inhalt.schorndorf-anzahl-der-blutspender-massiv-gesunken.c1f87129-d722-44f8-a122-3b282249905d.html